Kata
Kata bedeutet wörtlich "Form", "Modell".
Es handelt sich um einen realen Kampf gegen immaginäre Gegner. Obschon dabei der physische Kontakt nicht vorgesehen ist, muss die Kata mit Kraft, Aufmerksamkeit, Konzentration und Geschwindigkeit - also Kime – ausgeführt werden.
Für die Praktizierenden des Karate stellen die Kata die Essenz dieser Kampfkunst dar, da sie in sich den Geist und die Taktiken des Kampfes (Kumite) sowie die Grundtechniken des Kihon vereinen.
Die Kata sind das Herzstück des Karatetrainings, das durch die Meister aus Okinawa überliefert wurde. Sie sind entstanden um die richtige, physische und mentale Handlung in realen Konfliktsituationen zu studieren und zu erlernen.
Es war seine gesamte Lebenserfahrung, welche der Meister in eine einzige, von ihm entwickelten Kata einfliessen liess. In dieser Form waren alle Charakteristiken seiner Praxis enthalten.
Im Shōtōkan gibt es insgesamt 27 Kata, und viele davon haben ihre ganz besonderen Eigenheiten.
Jede Kata beginnt und endete mit dem Gruss (Rei), der den Respekt und die Grazie, welche die innere Stärke des Karate-Ka darstellen, demonstriert. Bei der nachfolgenden Ausführung der Kata muss jede Technik mit der korrekten Form, Dynamik, Kraft und Geschwindigkeit und vor allem, mit dem richtigen Budō-Geist ausgeführt werden.
Jede Kata hat eine ganz bestimmte Schrittabfolge (Enbusen). Zudem muss der Karate-Ka während der ganzen Kata die Aufmerksamkeit gegenüber den verschiedenen immaginären Gegnern, die ihn angreifen, konstant aufrechterhalten.
Die Shōtōkan-Kata
Taikyoku
Es ist die erste
Kata die man lernt. Es handelt sich dabei um eine scheinbar einfache, für Anfänger geeignete
Kata, die jedoch auch für höher Graduierte geeignet ist.
Diese essentielle
Kata des
Karate-Dō wurde durch
Yoshitaka Funakoshi überliefert.
Kata Heian - Friede und Ruhe
Die
Heian Kata stammen ursprünglich von Meister
Kūshankū aus China, von welchem auch die
Kata Kankū Dai stammt. Meister
Itosu führte sie im Jahre 1905 in den Schulen ein. Es handelt sich um
Kata die für Anfääger besonders geeignet sind, für das schnelle Erlernen der richtigen Haltung und der Grundkonzepte der Selbstverteidigung.
Die "Familie" der
Heian Kata umfasst fünf
Kata (
Heian Shodan, Heian Nidan, Heian Sandan, Heian Yondan, Heian Godan).
Kata Tekki - Eisenreiter
Die drei
Tekki Kata (
Tekki Shodan, Tekki Nidan, Tekki Sandan) stammen von der ursprünglichen
Kata Naihanchi, dssen Ursprung unsicher ist, ab.
Meister
Itosu teilte die ursprüügliche
Kata in drei Teile, um deren Studium zu erleichtern. Die
Tekki Kata werden durch die Stellung
Kiba-Dachi (Reiterstellung) und die Bewegungen, welche seitlich auf einer Linie erfolgen, charakterisiert.
Kata Bassai - Sturm auf die Festung
Es handelt sich um eine der ältesten Formen von
Kata, chinesischer Abstammung, welche auf der Insel
Okinawa unter dem Namen
Passai bekannt waren.
Je nach Stil bestehen verschiedene Versionen dieser
Kata. Im
Shōtōkan-Stil werden zwei Versionen praktiziert:
Bassai Dai und
Bassai Shō.
Kata Kankū - Blick zum Himmel
Die
Kankū Kata stammen von der antiken
Kata Kūshankū ab, benannt nach dem Namen eines alten Meister der Kampfkünste, einem chinesischen Gesandten, der 1761 nach Okinawa kam. Dieser lehrte sie seinem Schüler Meister
Sakugawa, ein Meister des
To-De, welcher sie abänderte und seinerseits an Meister
Matsumura weitergab.
Meister
Itosu seinerseits lernte sie von Meister
Matsumura und entwickelte daraus die zwei heute bekannten Formen:
Kankū Dai und
Kankū Shō.
Kata Jion - Liebe und Gnade, Antiker Shaolintempel
Der Urspung dieser
Kata ist ungewiss.
Es ist sehr wahrscheinlich dass sie von China stammt, jedoch wissen wir nicht wann und wie sie auf der Insel
Okinawa modifiziert wurde. Der Name entspricht einem Shaolinkloster und einige der Positionen erinnern an die der Mönche aus dem Tempel. Auf spiritueller Ebene sagt man, dass die korrekte Ausführung dieser
Kata der perfekten Reife des Buddha ähnlich sei.
Das Ausüben dieser
Kata führt zu einer tiefen Harmonie zwischen Körper und Geist.
Kata Jitte - Zehn Hände
Der Gebrauch der offenen Hand in all seinen Varianten für die Abwehr von Stockangriffen, charakterisiert diese
Kata. Ein Name den man auch der großen Kraft – diejenige von zehn Händen eben – zuschreiben kann, die der Übende dieser
Kata entwickeln kann.
Enpi - Flug der Schwalbe
Diese
Kata, mit chinesischer Ursprung, stammt von der ältesten
Kata ab, die auf Okinawa geübt wurden:
Wan-Shu. Der Name stammt von einem Experten der Kampfkünste aus dem Jahre 1630. Die
Kata erfuhr Veränderungen und Korrektionen von Seiten der Meister
Itosu und
Matsumura.
Der Name bezieht sich auf die enorme Variationen der Höhe der Hüften des Ausführenden, welche an den Flug der Schwalbe erinnert.
Hangetsu - Halbmond
Diese
Kata stammt von der ursprünglichen Form
Seisan ab.
Meister
Itosu lernte sie von Meister
Higahonna. Er veränderte danach die
Kata und gab sie an seinen Schüler, Meister
Gichin Funakoshi, weiter.
Der Name stammt von der halbkreisförmigen Bewegung, die der Ausführende mit seinen Füssen beschreibt. Speziell interessant ist in dieser
Kata, das Studium der Atmung und Stellung.
Gankaku - Kranich auf dem Felsen
Die
Kata Gankaku hat ihren Ursprung in der
Kata Chinto und ist chinesischen Ursprungs.
Sie erhielt ihren Namen im Jahre 1922 durch Meister
Funakoshi.
Die zwei Ideogramme dieser
Kata stehen für einen Kranich auf einem Felsen und beziehen sich auf die, für diese
Kata typische Stellung auf einem Bein.
Im Taoismus ist der Kranich das Symbol für Unsterblichkeit und Weisheit. Speziell interessant sind, nebst der Stellung, auch die dynamischen und flüssigen Bewegungen.
Unsu - Wolkenhände
Der Name dieser
Kata stammt von den Handbewegungen, die darin vorkommen, ab. Der Ursprung dieser sehr antiken Form ist unsicher.
Nijūshiho - Vierundzwanzig Schritte
Der Ursprung dieser
Kata ist nicht klar definiert. Sie ist chinesischen Ursprungs und wurde
Niseishi genannt. Auf Okinawa wurde sie von
Aragaki studiert. In Japan angekommen nannte sie Meister Funakoshi
Nijūshiho.
Sōchin - Ruhige Kraft
Dies ist die typische
Kata des
Shōtōkan. Sie unterscheidet sich durch die spezielle und schwierige Position (
Fudō-dachi), welche durch
Meister Yoshitaka Funakoshi geprägt wurde.
Meikyō - Klarer Spiegel
In Okinawa war diese
Kata unter dem Namen
Rohai bekannt, wovon es drei Varianten gab. Alle drei unterscheiden sich sehr deutlich von der heutigen Form. Meister
Funakoshi lehrte sie, jedoch wurde sie erst nach seiner Zeit bekannt.
Chinte - Seltene Hand
Chinte, eine antike
Kata aus
Okinawa, die durch zirkuläre Bewegungen charakterisiert wird, woraus man ihren chinesischen Ursprung erkennt.
Jiin - Liebestempel des Buddha
Stammt möglicherweise aus dem
Tomari-Te. Es kommen dabei gleichzeitig ausgeführte Doppelabwehren vor. Gleich wie
Jion und
Jitte, beginnt der Name mit "
Ji-", was auf dieselbe Herkunft hindeutet.
Wankan - Königskrone
Wankan ist eine sehr urpsrüngliche
Kata der Insel
Okinawa, deren Geschichte zu einem grossen Teil unbekannt ist. Die verschiedenen Varianten wurden durch Meister
Matsumura aufgenommen und erweitert. Noch heute erinnern einige Varianten stark an den Stil des
Tomari-Te.